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  Moral ohne Liebe 

11.04.05 - Das Thema der letzten Sendung bei Frau Maischberger lautete: Liebe ohne Moral? - Aber wie das?  Ganz einfach:

Wo immer Leute Menschen werden wollen, sprechen sie über die Liebe. Und damit von einer «Liebe ohne Moral» geredet werden kann, setzen sich manchmal die Vertreter einer Moral ohne Liebe zusammen.

In der Sendung "Menschen bei Maischberger" die von der ARD ausgestrahlt wird, erlebte man just in diesen Tagen davon einen ganz authentischen Fall. Der Papst war  in Rom noch nicht ganz unter der Erde, da tauchte im ARD-Studio schon ein "Sex-Papst" auf  (Original-Untertitel während der Sendung). Und mit ihm kamen andere Vertreter, die gut bis ausgezeichnet nicht auf diesen Abend vorbereitet waren. Schon ein einziger der geladenen Gäste hatte vorher nicht weniger als 14'000 nächtliche Gespräche mit Betroffenen geführt! Das kann einen überfordern. Er heisst Domian und hört nachts Menschen zu, wenn die Kulturen normalerweise am Schlafen sind. Dagegen ist aber nichts einzuwenden. Womöglich tut er der Menschheit sogar einen Gefallen damit. Ausserdem ist es gut, wenn wenigstens noch einer zuhört.

Auch der anwesende Oswald Kolle, von der ARD zu diesem Zeitpunkt "Sex-Papst" genannt, hat einmal vehement und völlig allein an unserer Kultur gerüttelt. Leider ist immer noch nicht sicher, ob es bei den Bewegten gefruchtet hat. Kolle ist Kult geworden, unsere Kultur hat es nicht sonderlich bewegt. Im Gegenteil! Nicht allein das Thema dieser Sendung liess berechtigte Zweifel aufkommen: "Liebe ohne Moral?" Nein, selbst wer sich einst tapfer an Kolle's Aufregung hielt, darf heute weiter zweifeln. Unter anderem deshalb, weil in der gleichen Sendung eine Geburtenrate von 1,1 Kind pro Familie vorgerechnet wurde, was dann besorgt zur Sprache kam. Die Zahl an sich könnte ja stimmen. Aber auch wieder irgendwie nicht. Denn was haben Dezimalstellen mit der Liebe zu tun?

Ist es nicht etwas herzlos, Kinder als Bruchstellen hinter ein Komma zu befördern? Während es eigentlich um Liebe geht. Und dies als erfrischende Herzlosigkeit dann ausgerechnet dem "Herzblatt-Moderator" Reinhard Fendrich zu präsentieren, der ebenfalls in dieser Sendung zu Gast war. Passen Herzlosigkeit und Blätter - oder Sendungen - schon so vorzüglich ineinander? Fragte man sich schon, ob Frau Maischberger nur noch kurz grinsen muss, damit das eigentliche Thema kein Thema mehr zu sein braucht? Ich dachte, es gibt Frauen, die sehen sich Tierfilme an und die wissen dann, was sich ziemt. Aber dann dies: "Liebe ohne Moral!" Ein derart öffentlicher Spagat hätte eine Auszeichnung verdient. Nur, welche? 

Zumindest war aber das anwesende Sendebewusstsein total gross. Sogar ein waschechter Prinz sass in einem Sessel, um Geheimnisse über das Liebesleben eines entfernten Verwandten aus England zu verraten, der sich gerade in diesen Tagen vermählte. Als er sich weigerte, weil er weniger wusste als man vermutet hat, wusste man auch schon nicht mehr, warum er eigentlich eingeladen war.

Und dann noch zwei Frauen. Wie gewohnt - waren halt viele "Menschen bei Maischberger". Die eine der beiden Frauen hat offenbar schon seit ihrer Kindheit die Nase gestrichen voll. Mehr hat sie nicht verbrochen, sass aber dennoch in dieser Sendung, um sich erhaben zu langweilen. Die andere wurde - was nach überschrittener Lebensmitte üblich ist - anstelle von Naturerlebnissen plötzlich mit Gotteserlebnissen konfrontiert. Das ist zwar eine schöne Konfrontation. Leider durfte niemand erfahren, wie dieser Kampf tatsächlich ausgefallen ist. In der Liebe erfährt man sonst immer: Wer gegen wen?         

Aber weshalb überhaupt jetzt so viele Fragen? Der Liebe zuliebe! Nicht der Moral. Reicht es aus, dass man "Herzblatt" moderiert oder nächtliche Gespräche führt, um dann vor Publikum über die Liebe in dem Sinne zu schwadronieren: Als gäbe es eine Liebe ohne Moral? 

Und wie viel Vorbereitung braucht man eigentlich dazu? Bei Frau Maischberger hält sich die offenbar in Grenzen. Ein Telefon genügt: kannst Du kommen, das Thema passt sich dir an, ich brauche nur einen Menschen! Und unter "Menschen bei Maischberger" ist man oder frau dann kompetent genug, der Liebe Moral auszureden, wer beispielsweise "Herzblatt" moderiert hat. Oder wer noch immer vom "Flattern" spricht, das bei Verliebten allerdings spätestens nach 4 Jahren vorüber sei. Wo hält es denn länger an, das Flattern? Tatsache ist doch, dass die Menschheit vom Flattern buchstäblich heimgesucht wird. Seit einer Ewigkeit! Nein, sagte der "Sex-Papst" mit einer einzigen Handbewegung, das predige er anders.

Was Zuschauer und Zuhörer an Erkenntnissen hinzu gewonnen haben dürften, ist aber eine neue Definition der Barmherzigkeit. Sie stammte vom Herzblatt-Moderator, der sich damit ausgerechnet an die katholische Vertreterin wandte. Ihm war nämlich ihre Auslegung von der Barmherzigkeit viel zu diffus. Er schrie sie an, dass man damit, was sie unter Barmherzigkeit verstünde, im realen Alltag überhaupt nichts anfangen könne! 

"Barmherzigkeit ist für mich", meinte er aufgeregt, "wenn ich einem alten Mann, der friert, meine Jacke gebe und ihn zu einem Teller  Suppe einlade!" Es war komisch. Mich hat diese Offenbarung sofort an das Gleichnis vom barmherzigen Samariter aus der Bibel erinnert. Die katholische Abgeordnete wohl auch. Und die überraschten Zuschauer sicher am meisten. In der Bibel hat doch der barmherzige Samariter genau das Gleiche getan: er hat seinen Mantel mit einem frierenden Alten geteilt. Also war selbst diese neue Definition doch nicht so neu. Fendrich schien unter Einfluss geraten, er ist im Nu urkatholisch geworden, ist in das Du übergeschnappt und hat der Frau das Gleichnis förmlich aus dem Herz gewrungen. Auch das war brutal. 

Unter der Gürtellinie war auch die Frage: Hat der "Sex-Papst" nun mehr oder weniger Einfluss auf Menschen gehabt als sein Gegenpart, der soeben im Vatikan starb? Zu diesem Zeitpunkt konnte der sich ja schon nicht mehr gegen diese Frage wehren, falls etwas Fragwürdiges daran sein sollte. Wozu wurde die Frage also gestellt? 

"Profi" wurde Frau Maischberger von einem Kolumnisten auf "Spiegel-onlinie" kürzlich im selben Atemzug mit Kanzler Schröder genannt. Ganz offensichtlich deshalb, weil der Kolumnist auch mal "unter Menschen" auftauchen möchte und jetzt auf eine Einladung wartet, wenn Frau Maischberger wieder einen Menschen braucht. Vielleicht aber auch, weil "Profi" von Profit kommt, der automatisch zum Beruf und zur Berufung ausarten kann, falls man ihn nur gnadenlos ausübt.

Ein wenig gnadenlos dann auch, wie der barmherzige Samariter Fendrich nebenbei hoffte, dass seine Kinder glücklich wären, obschon er sich leider vom Heim trennen musste, weil die Äste am Familienstammbaum zu weit auseinender wuchsen. Seine eigenen Gefühle dazu beschrieb er nur kurz und aus riesiger Distanz, wie ein richtiger Experte. Einzig der "Sex-Papst" meinte, er würde seinen Klerus niemals verlassen - man kann ja schliesslich nicht Sex predigen und dabei auch noch lieblos handeln.  

Am Brutalsten aber war der Titel der Sendung. Er zeigt: dass Brutalität allein nicht auch schon ein Zeichen von Professionalität ist. Da mögen sich noch so viele Leute als Menschen versammeln. "Liebe ohne Moral?" das ist kein Thema für eine Sendung, sondern für einen Leerlauf. Selbst Dirne und Nonne verbindet mehr als dieser Aufprall zweier Worte in einer sinnlosen Frage. Eine für alle, alle für Einen.

Vermutlich ist unter den 14'000 Menschen, die Domian ihr Herz ausschütteten, kein einziger gewesen, dem die "Liebe ohne Moral" einen bleibenden Schaden zugefügt hat. Liebe ohne Moral kommt nämlich nicht einmal im Hochsicherheitstrakt vor, im Dschungel schon gar nicht  - und in der Öffentlichkeit sollte es verboten sein, sie unter einem solchen Blickwinkel anzuschielen. Die Liebe.  

Der Otto-Normalzuschauer fragte sich angesichts dieser Sendung auch, ist in Rom jetzt die Moral gestorben oder die Liebe bei der ARD? Man hätte die Frage zumindest umgekehrt stellen sollen, falls man in diesem Gespann ernsthaft nach irgend einer Antwort gesucht hat. Das war aber offensichtlich nicht vorgesehen. Aber was dann? Man hat es wieder einmal nicht erfahren. Vielleicht erfährt man ein anderes Mal mehr davon. Mit mehr Vorbereitung und nur ein wenig Vorliebe zum Detail ginge das alles. Wer es aber ohnehin wagt, Sinne auseinander zu nehmen, sollte mindestens in der Lage sein, sie auch wieder sinnvoll zusammen zu basteln. Das ist in dieser Sendung völlig misslungen. Es war ein kurioses Hohngelächter auf die Liebe, von Moralisten gekichert, die gar keine sein wollen. Man muss ihnen ihr "Thema" deshalb noch einmal erklären: Die "Liebe ohne Moral" ist und bleibt noch immer moralischer - als jede Moral ohne Liebe.

Sonst hilft auch kein Lächeln mehr.

 

Edgar Valentin Flückiger

Das Horoskop dieser Sendung folgt ein andermal.

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Ein Leserbrief

Betreff: Möchte mal danken!
Hallo Herr Flückiger,
 
ich habe bisher im deutschsprachigen Raum noch keine Site gefunden, die man an Aktualität und Gehalt mit Ihrer vergleichen könnte.
 
Auch wenn Sie das gerne machen - ich muss Ihnen einfach mal danken!
 
Ich wurde auf Ihre Site übrigens durch www.wallstreet-online.de aufmerksam.
 
Herzliche Grüße
 
M W, Hamburg

 

(* Der ganze Name der Absenderin ist uns bekannt. Wir veröffentlichen keine Namen).

    

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