Sternstaaten

 

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  Sandra die II. 

20.04.05 - Diesmal geht es nicht um das falsche Thema. Auch nicht um eine Fortsetzungsgeschichte der enttäuschenden Sendung vom letzten Mal. Solches würde in rasanten Zeiten nur nerven. Man will heute die Dinge möglichst schnell abhaken, abschliessen und weiter kommen - zum nächsten Thema. Zudem kann ständiges Nachhaken, Nachschlagen und Wiederholen ein Zeichen mangelnder Fantasie sein, die man gerne anderen überlässt. Nicht die Fantasie - aber ihr Mangel.

Gerade das Weitergehen ist leider auch nicht so einfach. Was uns bewegt bleibt oft stehen. Und Stillstand kann Bewegung verursachen. Somit könnte dies jetzt sogar AstrologInnen interessieren. Nämlich, dass man mit dem Fernsehprogramm auch auf die Gestirne und deren Aspekte schliessen kann, und nicht nur umgekehrt, indem man aufgrund komplizierter Ephemeriden auf äussere Erscheinungen schliesst. Astrologie- und Fernsehprogramme geben Aufschluss  über die Erscheinungen der Zeit.

Uns ist nämlich aufgefallen: Die Moderatorin der ARD-Sendung "Menschen bei Maischberger" wird derzeit buchstäblich von der Liebe heimgesucht. Diese Heimsuchung ist für den Beobachter selbst ohne Horoskop, ohne Progression und lange Rechnerei, leicht erkennbar. Allein aufgrund von äusseren Erscheinungen. Ohne Ephemeriden.

Und zwar darum: In der letzten Sendung wurde Frau Maischberger von mehreren Liebesexperten und sogar von einem "Sex-Papst" besucht. Nur eine Woche später rauschten nun auch noch die Vertreter der himmlischen Liebe an! Als wäre die Auferstehung bereits in vollem Gange, schickten die Weltreligionen ihre Abgesandten zu ihr. Aber nicht nur das! Doch allein schon dies lässt mit Sicherheit darauf schliessen, dass sie zur Zeit mindestens eine Venus-XY -Progression im Horoskop aufweist. Wahrscheinlich im Quadrat. Denn da war ja auch noch das Thema mit dem Kreuz.

Das Judentum, Christentum und der Islam schickten ihre "Drei Könige", um sich am heiligen Ort bei Frau Maischberger zu versammeln.

Dabei lautete der Titel dieser Sendung diesmal:

  "Die Geschäftsführer Gottes" 

Und das irritierte zuerst.

Ein einziger Gast wurde kurzfristig wieder ausgeladen, hiess es. Vielleicht weil er nach einem anderen Titel für diese Sendung verlangte? Wir wissen es nicht.

Aber es irritiert.  

Es irritiert, dass Geschäftsführer sich unter einem solchen Titel selbst zur Schau stellen und sich quasi gleich selber parodieren, indem sie es dann auch noch ganz ernsthaft tun. Also ohne Gelächter sitzen die da und wissen genau, da draussen steht jetzt geschrieben, dass sie mit Gott ein Geschäft machen würden. Dies sagt aber auch folgendes aus:

Wenn alles nur noch Provokation ist, gibt es keine Provozierten mehr.

Da dem so ist, hat sich sogar noch ein buddhistischer Lama ins Studio gewagt: Ein Herr Ole Nydahl. Er bekannte sich als bekennender Buddhist, der jedoch erst zu seinem Glauben konvertiert sei, nachdem er vorher das Boxen und andere Religionen gründlich ausprobiert habe. Vielleicht fällt es schwer, zu verstehen, dass man überhaupt noch eine Religion wählt, wenn man sie einmal alle getestet hat - doch er hat es getan. Kein Mensch kann ein Leben lang boxen. Also stieg Ole für den "lieben Gott" in den Ring. Und so sei Lama Nydahl zum bekanntesten Buddhist Europas geworden - (hat die ARD im Untertitel verraten).  

Da durfte auch die himmlische Presse nicht fehlen. Der Pazifist Franz Alt, der ein Buch über Jesus geschrieben hat und ein Befürworter vom Afghanistan-Krieg war, führte gewissenhaft Protokoll über die laufenden Ereignisse des abends. Eine Schauspielerin wiederum, die aus allen Religionen für sich selber nur das heraus nimmt, was ihr am Besten gefällt, gefiel sich dabei als Konsumentin besonders gut. Das heisst: Was für die Ladenkette 'ALDI' gilt, gilt nun auch für den "lieben Gott". Wir kennen den Himmel, wir kennen die Firma, aber niemand kennt den Besitzer! Nur die Geschäftsführer sind offenbar allen bekannt. Am Abend liegen stapelweise leere Kartons herum, weil das Angebot halt wieder Mal so günstig war! Man könnte beinahe sagen: es war billig.

Eindeutig nicht anwesend waren allerdings der Theologe Eugen Drewermann und der hauseigene ARD-Pfarrer Fliege. Letzterer konnte deshalb nicht eingeladen werden, weil er ja schon längst bei der ARD wohnt. Beide haben diese Sternstunde also pünktlich verpasst. Herr Nydahl aber, der buddhistische Ex-Boxer und wahrscheinlich einzige Buddhist Europas, somit auch sein eigener Lama, drehte mit der Hand eine Spirale über seinem Kopf und rief wirr aus: "Man kann alle Räume öffnen!" Den Schlüssel zeigte er nicht. Und das tat er, nachdem er vorher schon laut vermutete, "der ganze Raum sei ja schwanger!" Frau Maischberger sah sich ängstlich um, als wäre da sonst noch jemand anwesend, womit eine unbefleckte Empfängnis dann tatsächlich möglich würde. Aber da war niemand! Nur der eingeladene Pastor, Bischof, Kurienkardinal, ballte seine Faust zum Gebet und erklärt allen eindringlich und folgerichtig, dass, "wenn einmal alles erlaubt sei, es dann auch nichts mehr zu verbieten gäbe". Alle Anwesenden nickten dazu.

Und alle sassen sie da.

Als ernsthaft Beteiligte einer authentischen Auferstehung haben sich die gewichtigen Vertreter der Weltreligionen um diese Frau herum versammelt. Sie sassen da und schienen zuerst angestrengt ihrem Schweigen zu lauschen, während ihnen Sandra die II. im Gegenzug leise, diesmal wirklich kaum hörbar, ein paar Fragen stellte. Etwa die: "Wenn alles Glauben ist - wozu dann eine Hierarchie?" Es war ein höchst sonderbares Konzil.

Ein verwunderliches Durcheinander war es. Mit Konsequenzen, auch für Astrologen und Astrologinnen! Weil die jetzt nämlich kein Horoskop mehr benötigen, da man ohne weitere Hilfsmittel im nächsten "Thema Mundi" von Sandra der II. die genaue Zeitqualität für die nächste Zukunft mühelos ablesen kann. Damit ist, genau genommen, die erste Moderatorin zu einer leibhaftigen Animatorin geworden, zur "Anima Mundi", einer Art Weltenseele - ungefähr vergleichbar mit einer Päpstin oder Päpstissin.

  Sandra die II. wurde an diesem Tagen von der Liebe heimgesucht. Das ist die erfreuliche Nachricht. Die Welt erhielt an diesem Tag nicht nur einen neuen Papst, sondern - zeitgleich, denn alle anderen Sender waren zu dieser Zeit noch in Rom - wurde auch eine neue Päpstin ermittelt. Nicht vom Chef selber, nicht von seinen Stellvertretern, aber von den realen Geschäftsführern "Gottes", die dem Stern am Himmel folgten und sich zur ARD aufmachten, um in einem winzigen Studio auf Strohsesseln ihre persönliche Sternstunde zu erleben. Oder wenigsten mit zu erleben.

Den Strohmännern "Gottes" hat die neue Päpstissin Sandra II. ein halbes Dutzend Fragen gestellt - vielleicht waren es auch mehr. Jedenfalls reichten sie aus, um die Herren auf Touren zu bringen. Einer vermutete: Gott ist die Liebe! Ein anderer hielt dagegen: Gott ist der Geist! Als Experte sollte man sich nie festlegen. Der Zuschauer durfte wieder wählen. Zwischen Liebe und Geist. Und während man wählte, rief Sandra die II. die talkenden Männer zu etwas mehr Ordnung auf. 

Auf jede Frage der Animatorin prasselten sodann Zitate, Gleichnisse, Kalender- und Bibelsprüche auf den Zuhörer ein, die man nicht noch einmal wiedergeben möchte. Ein paar geistige Bisse genügen, auch wenn man sie nicht automatisch für Leckerbissen halten sollte. Also: 

Der Islam

 "Der beste Gläubige ist der, der gut ist zu seiner Frau!" zitierte Scheich Hassan Peter Dyck den Koran.

Untersucht man diese Aussage auf die Kompatibilität etwa mit dem Christentum, entpuppt sich der Glaube als gar nicht so einfach, wie man auf Anhieb glaubt. Unverheiratete Christen können nämlich nach dieser Version nicht zu den besten Gläubigen aufsteigen. 

Jesus selber hatte (angeblich) schon mal keine Frau. Der Papst auch nicht. Und dann gibt es noch die vielen anderen Junggesellen!? Männer - etwa im Zölibat - können nicht zu den besten Gläubigen gehören. Und Werden geht auch nicht, denn es fehlt ihnen die Frau, zu der sie "gut sein" könnten. So gut, dass die Frau manchmal gar nicht an die Öffentlichkeit gehen darf, und oft nicht einmal einen Gruss, etwa "Guten Tag!" über die Lippen bringt, weil ihr selbst das Sprechen im Treppenhaus verboten wird. Vom Mann, der eigentlich "gut" mit ihr sein möchte, um dadurch zu den besten Gläubigen zu gehören. Das ist verwirrend.  

Das Christentum

Einen besseren Einfall hatte dafür der Vertreter vom katholischen Glauben. Er meinte wörtlich: "Die Inquisition sei der Fortschritt gewesen, dass ohne Untersuchung nicht mehr verurteilt werden konnte". Darauf folgte jedoch keine Schweigeminute im Studio! Sondern es wurde sofort weiter drauflos gequasselt. Während also im Raum stand: "Die Inquisition als Untersuchung? Die Grossinquisition als Fortschritt!" Hatte man bisher nur leise geahnt, dass das, was die Welt bewegt, still steht. So wusste man es jetzt ganz genau. Mit dieser Logik hätte der Kardinal ebenso sagen können, dem Holocaust würden wir immerhin verdanken, dass man heute über ihn spricht. Die Schlächter des Holocaust' könnten ja auch so eine Art "Untersuchung" durchgeführt haben, bevor sie dann über ihre Opfer ein "Urteil" fällten?   

Spätestens ab hier wird einem die Nähe zum alltäglich Wahn, den wir Glauben, Liebe und Gott nennen, schlagartig bewusst. Wir sitzen ja nicht vor irgend einem Krawalltalk, sondern sehen erwachsenen "Menschen bei Maischberger" zu. Und worum geht es nun eigentlich? In jeder ernsthaften Vorstellung werden wir nach 5-10 Minuten menschlichem Redfluss solche Aussagen finden, überall. Es ist keine Ausnahme, es ist immer dasselbe. Und das ist der Wahn.

Die Zeremonie in Rom, wo inkontinente Greise in weissen, roten und schwarzen Roben einen "Stellvertreter Gottes" wählen - in einer geheimen Wahl am Kaminfeuer - das kann doch nicht ganz normal sein! Alter schützt vor Torheit nicht, es stellt sich sogar an die Spitze der Narren. Indem es Kriege "verurteilt" und nicht dagegen aufruft. Wenn dies aber die letzte Stimme der menschlichen Vernunft ist, dann wandeln wir auf einem sehr schmalen Grat. Diesem Wahn muss man etwas entgegensetzen. Die Ironie vielleicht? Oder eine Päpstin! Oder was denn sonst?!   

Es gibt eine Gläubigkeit, die derart rein ist, das man nichts Unreines mehr sieht - und mag. Allein die 40 Millionen Menschen die vom HI-Virus infiziert sind, übersehen wir dann einfach. Zum "Thema" Hunger und Durst dürfen wir schweigen. Und auf einen Papst mehr oder weniger kommt es auch nicht mehr an - oder halt auf eine Päpstin. Wir würden eine Basis brauchen, die uns ein paar verständliche Antworten übrig lässt, mit denen man wieder leben kann. Sie ist mit Sicherheit nicht aus Rom zu erwarten.

   Das Judentum

 Der Vertreter des jüdischen Glauben fiel durch Zurückhaltung auf. Er wurde allerdings auch selten gefragt. Von sich aus mischte er sich nicht ins Gespräch. Einmal versuchte er aber den Zuhörern und Zuschauern den Glauben an sich zu erklären. Gerade diese Worte gingen leider in einem allgemeinem Lamento unter. Man musste warten bis er wieder an der Reihe war. Und das dauerte. "Glaubenskriege stehen im Widerspruch zum Glauben", vermochte er noch zu antworten. Und privat meinte er: "Aus der Sicht seiner Religion, sei es Scharon verboten gewesen, überhaupt auf den Heiligen Berg zu kraxeln". Obschon der Mann zwei-, sogar dreimal sehr vernünftige Dinge sagte, kam er sonst gar nicht zu Wort. Er sass in der falschen Sendung. Unter wie verhext spielenden Kindern.

Die Mischreligionen

An den Glauben der VertreterIn der Mischreligion ALDI-Vatikan-u.s.w. kann man sich beim besten Willen nicht mehr erinnern. Ich glaube, sie sprachen von Blumen, vom "Glauben als lebendige Sache", und man solle doch aufhören zu streiten...? Von guter Geschäftsführung war nicht die Rede, obschon ein Jesus-Buch noch kurz erwähnt wurde.

Man kann nun sagen, was man will: Das mediale Ereignisse von Rom und das bei der ARD fanden fast zeitgleich statt. Benedikt der XVI. und Sandra die II. haben ihr Geschäft mit "Gott" zur selben Zeit abgewickelt. Sie wurden auch zeitgleich Medial vermarktet. Der weisse Rauch in Rom war noch nicht aus dem Kamin, der schwarze hat die Erdatmosphäre überhaupt nicht verlassen, da wurde die moderate Sandra II. zur Animatorin einer gottgewogenen Runde, die von schwangeren Räumen sprach, indem sie selber - diesmal beinahe manierlich - schwieg.

Wer dies anders sieht, weil er statt glauben lieber zweifeln möchte, sollte bedenken, dass es an diesem Tag fast auf der ganzen Welt um die Sache des Glaubens ging. Eines Glaubens, der uns einflüstern möchte, dass er der richtige sei. Manchmal als Liebe, manchmal als Geist verpackt. Und manchmal ist er der "schwangere Raum" selber - was zumindest in den Zimmern und Gemächern des Vatikans bis jetzt noch völlig undenkbar ist. Religion ist momentan Zukunft. Dabei sollte sie uns eigentlich besinnlich machen, nicht visionär. Ratzinger als Beckenbauer auf dem himmlischen Rasen. Von einer Astralreligion wurde - Gott sei Dank! - an diesem Abend überhaupt nicht gesprochen. So weit hat niemand zurück geschaut. Womit denn? Die sahen nur das himmlische Kind. Schon beim nächsten Mal werden sie singen. Darum kann es manchmal durchaus etwas Besonderes sein, wenn man über einen zum Thema passenden Inhalt nicht auch noch viele überflüssige Worte verliert.

  

Edgar Valentin Flückiger

Zum Horoskop vom 19.05.2005 - der Papstwahl >>

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