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Dreimal der 26. Dezember

 

    Der Triumph des Willen?  

23.05.05 - Die Auseinandersetzung zwischen Hirnforschern und Philosophen um den vermeintlichen Herrschaftsanspruch des menschlichen Willen nahm in den letzten Jahren zu. Die kollektive Rückkehr zu den Religionen gleichzeitig auch. Unser Verstand befindet sich auf Gottessuche - hüben wie drüben.

Derzeit ist Funkstille eingetreten. Die Neurowissenschaft verschlang immense Forschungsgelder und versprach dafür der Menschheit ein neues Weltbild. Heraus kam schliesslich ein ödes Scheingefecht mit scheinheiligen Argumenten, die den geistigen Platzmangel aufzeigen, während der Aufwand an Geldern zwischen zwei Sandbänken versickert. Hinter der einen haben sich die so genannten Neurobiologen verschanzt, um ungestört die Körner unter sich aufzuteilen. Im Sandhaufen der anderen Seite türmen Philosophen ihren nassen Teig in wuchtigen Backformen auf, um hin und wieder ein Kuchenblech voll in die falsche Willensrichtung zu schleudern.  

Fest steht: Beide Seiten sind die Beweise für ihre Behauptung schuldig geblieben. Was allerdings beide nicht hindert, den Anspruch zu erheben, als Wissenschaftler ernst genommen zu werden. Doch selbst innerhalb der eigenen Reihen ist man von jeglichem Konsens weit entfernt.   

Bevor wird den Angelpunkt des Willens im Horoskop aufzeigen, wollen wir an die zwei wichtigsten Beispiele der Argumentation erinnern, die bisher gegen oder für einen freien Willen zum Einsatz gelangten. Es handelt sich dabei um die beliebtesten unter ihnen:         

1. Das berühmte Experiment des Neurophysiologen Benjamin Libet, das vor 25 Jahren stattfand. 

Aus diesem Experiment leitet die Neurobiologie fast ausschliesslich ihren Anspruch auf das Kernthema >Menschlicher Wille< ab.  

2. Die Denkfehler und Kategorienfehler der Philosophen 

Philosophen werfen den Neurobiologen die Vermischung verschiedener Perspektiven vor. "Es sei verrückt im Sinne eines Kategorienfehlers, wenn wir Fragen, die sich auf der einen Beschreibungsebene stellten, auf einer anderen zu beantworten suchten. Es entstünden dadurch begriffliche Vexierbilder, die uns verhexen könnten".

3. Der Wille im Horoskop

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Der Lichtkreis des Neurophysiologen Daniel Libet

Der Neurophysiologe Daniel Libet folgte der empirischen Tradition von Karl Poppers und John Eccles. Libet (heute 89) verachtet Kollegen, die sich mit unbewiesenen Annahmen ohne Experimente zu Wissenschaftlern aufblähen.

Libets Experiment vor 25 Jahren

Man denke sich eine Scheibe, die ähnlich einem Horoskop, mit gleichen Abschnitten der Häusereinteilung versehen sind. Anstatt der 12 Felder im Horoskop wurden jedoch mehr Striche einzeichnet. Durch jeden Abschnitt (oder jedes Haus) raste nun ein Lichtfleck (ähnlich wie eine Kugel) in zirka 43 Millisekunden, wobei der Lichtfleck die ganze Scheibe in exakt 2.56 Sekunden einmal umrundete.  

Nun wurde den Versuchspersonen aufgetragen, ihren freien Willen zu demonstrieren, indem sie ein bestimmtes Zeichen gaben, wann immer sie es wollten oder richtig fanden, und sich dabei die Position der Lichtkugel einzuprägen. Gleichzeitig wurden auf ihrer Kopfhaut mithilfe von Elektroden ihre Hirnströme gemessen. Auf diese Weise wollte Libet herausfinden: "Ob der bewusste Wille der Aktion des Gehirns vorausgeht, oder ihr nachfolgt?" 

Das Licht-Experiment von Benjamin Libet

 

Das Licht umrundet einen Kreis. Wie die Sonne in einem Horoskop.  

Natürlich würden sich Neurowissenschaftler vehement gegen die Behauptung wehren: Libet habe die Reaktion der Menschen am Lauf der Sonne in einem Horoskop untersucht. Tatsache ist aber, dass sein berühmtes Experiment mit dem kursierenden Lichtkegel die Astrologie nachgeahmt hat. Und genau so sind auch seine Nachfolger vorgegangen, dies kann jeder leicht feststellen. Der Neurophysiologe Daniel Libet, und nach ihm andere, haben getan, was Astrologen schon lange tun! Sie liessen Versuchsmenschen das Licht in einem Kreis beobachten, den es umrundet. Dies entspricht exakt dem Vorgang und Beschreibung, die bei jedem Horoskop angewandt werden. 

Wenn wir also heute oder morgen die Sonne im Transit an einem bestimmten Punkt im Horoskop-Kreis beobachten, tun wir dasselbe, was seit gerade Mal 25 Jahren auch Neurologen und ihre Versuchspersonen tun. Mit einem einzigen Unterschied: Wir müssen uns selber etwas denken dabei! Denn in der Astrologie geht es nicht um unseren freien Willen, nicht um unsere Aktion, sondern um die Willensrichtung an sich und unsere mögliche Re-Aktion darauf. Somit würde es keinem Astrologen einfallen, das Licht der Sonne einfach an einem bestimmten Punkt mit einem Fingerzeig zu stoppen. Die Sonne lässt sich ebenso wenig aufhalten, wie ihr Licht. Fazit: Die Neurologen haben die Sonne mit einem Lichtschalter verwechselt, der beliebig an- und abgeschaltet werden kann.

Auf diese Weise lässt sich alles Mögliche suchen, nur wird das Gefundene immer eine zeitliche Distanz sein. Die Hirnforscher suchten nach Gott und fanden Millisekunden. Selbst ihre Idee, einen Kreis für das Experiment des Willens zu verwenden, war nicht neu sondern uralt. Dass es ein Licht sein sollte, das im Kreis rotiert, war ebenfalls keine Revolution sondern blieb eine Rotation. Darum rotieren sie weiter.

Und das tun sie in einem ziemlichen Tempo. Wofür die Astrologie sich Jahrtausende Zeit liess (Heraklit schrieb: Homer war Astrolog), das läuft jetzt bei Hirnspezialisten in Millisekunden ab. Nun weiss man, warum es heisst: "Der rotiert aber grausam herum!"   

 

Was kam nun bei diesem Experiment heraus?

Etwa 300 bis 400 Millisekunden bevor die Versuchspersonen ihre Signale geben wollten, wurde bei ihnen bereits eine verstärkte Aktivität ihrer Hirnströme festgestellt. Dies bedeutet, dass das Gehirn ihren Willensakt schon einleitete, bevor ihnen selber bewusst war, dass sie einen Augenblick später die Hand heben würden. Damit war zumindest bewiesen, dass der Wille der Aktivität des Gehirns nicht vorausging, sondern ihr folgte. Unter diesem Zwang erwies sich der freie Wille als Illusion. 

Als Folge dieses einen Experiments meldeten sich seither (und noch immer) in den Medien ganze Heerscharen von Neurobiologen mit der Feststellung zu Wort, dass es eine Willensfreiheit nicht geben könne. Natürlich ging und geht es ihnen dabei auch um die namhaften Forschungsgelder, die mit unserer Unfreiheit zusammenhängen. Diese Gelder sollen wiederum ihren Spendern einen Markt öffnen, der künftig neben der Gentechnik und Organtransplantation geradezu abenteuerliche Gewinne in einer operativen und pharmazeutischen Gefühlswelt abwirft. 

Wortführer der deutschen Neurobiologen, wie Wolf Singer und Gerhard Roth, fühlen sich offenbar streng dem Auftrag verpflichtet, die Realität ihrem 2004 publizierten "Manifest über die Gegenwart und Zukunft der Hirnforschung" konsequent anzupassen. Was sie daran hindern könnte, sind allerdings die Realitäten selbst. In der Realität wird nämlich der Wille längst schon als unfrei "gedacht" und "behandelt". Bereits mit einer einzigen Dosis Schlaftabletten kann er jederzeit ausgeschaltet werden. 

Die Bemühung, unseren Willen auch noch offiziell als unfrei zu deklarieren ändert wahrscheinlich überhaupt nichts am Markt, da der sich bereits schon auf unsere Unfreiheit eingestellt hat. Weil dies so ist, tut es vor allem den Konsumenten gut, wenn ihnen die Medien in regelmässigen Abständen dennoch von einem freien Willen berichten. Auf diese Weise kommen dann wiederum die Philosophen zu Wort.   

 

Daniel Libet reformierte sein Experiment 

Bleiben wir noch einen Moment beim Experiment mit der Lichtkugel, das Libet vor 25 Jahren anstellte. Als Libet bewiesen hatte, dass der Wille der Aktivität des Gehirns nicht vorausgeht, sondern erst nach aktiv-Werden der Hirnströme diesen folgt, verzichtete der Forscher auf bestimmte Schlussfolgerungen, die man fast zwangsläufig hätte erwarten dürfen. Libet verweigerte sich etwa der Aussage, dass - sinngemäss - jetzt der Wunsch zum Vater des Gedankens geworden war. 

Seine Verweigerung ist zumindest erstaunlich. Statt dessen verfeinerte und modifizierte nun der Hirnforscher sein Experiment. Und in einem neuen Verfahren gelangte er letztlich zum Resultat: dass der bewusste Wille noch 150 Millisekunden vor dem Befehl zum Anhalten der Lichtkugel aktiv würde! Genügend Zeit, meinte Libet, um die motorische Handlung doch noch zu beeinflussen. 

Die positive Auslegung hiervon wäre nun also die Existenz eines Willensfilters, der nur durchlässt was gerecht, human und erlaubt ist. Nach Libet kann der Wille hier nämlich sein Veto einlegen. Etwa 250 Millisekunden nach den Hirnaktivitäten, aber noch 150 Millisekunden vor der gehandelten Tat. Libet reformierte damit sein Experiment zugunsten eines freien Willens. - Doch man kann dies auch ganz anders sehen. 

 

Die Willkür und die Büchse der Pandora

Wenn man die Libetschen Messungen in diesem neuen Versuch ernst nimmt, kommt es 400 Millisekunden vor der Tat im Hirn zu neuronalen Aktivitäten, die wiederum 250 Millisekunden danach beim bewussten Willen anlangen, der abermals 150 Millisekunden verstreichen lässt, bis er dann tatsächlich handelt. 

Falls man dieser Messung traut und daraus eine mögliche Konsequenz ableitet, wäre nun eine Kontrollinstanz tatsächlich denkbar. Obschon dies nebenbei nicht die Frage beantwortet, weshalb Libet dieser neuen Station plötzlich einen ganz konkreten Namen gab, nachdem er vorher zu jeder nur möglichen Andeutung standhaft geschwiegen hat? Er verzichtete bisher auf jeden semantischen Erklärungsversuch.

Offen bleibt zudem, wie ein Hirnspezialist plötzlich dazu kommt, Freiheit und Wille - zwei Ebenen, die selbst für sich alleine stehend nicht ausreichend definiert sind  - wie ein Stammtisch-Philosoph kurzerhand zu verknüpfen? Offenbar hatte Libet genug vom Warten darauf bis sich jemand mit einem besseren Experiment melden würde. Und so schritt er selber zur Tat. Aus der Freiheit und dem Willen wurde ein Bündel geschnürt, das als "Freier Wille" zu kursieren begann. Die Medien wurden nicht müde, diesen Klamauk möglichst oft in langwierigen Serien an die Öffentlichkeit zu transportieren, was letztlich zu wilden Manifesten der Hirnforscher führte, die im absolut Unvereinbaren selber gipfelten. Wille und Freiheit entpuppten sich - nicht zuletzt durch ihre Töne - als das Unvereinbare schlechthin, da ein Wille - der frei sein sollte - ja nur von der Freiheit ausgesetzt werden konnte. 

Weil aber die Freiheit selber nicht ausgesetzt werden kann, - von wo denn? - kann sie selber auch nicht exportiert werden. Man kann die Idee der Demokratie (als verfeinerte Form der Diktatur) zwar exportieren, aber man bringt dem Adressaten keine Freiheit damit.   

«Freiheit, die alte Mutter Gottes, lieh einst den Willen ihrem Sohn: Im Glauben an das junge Gut erschuf der Bub den Mensch aus Ton, - der wiederum aus eben diesem, fand Klang darin, hat Ton bewiesen!» (Aphorismen zu Prometheus, evf)

Anstatt somit den anberaumten "Willenspunkt" als Filter zu betrachten, der die Spreu vom Weizen trennt, um tatsächlich den Weizen zu wählen, ist auch das genaue Gegenteil denkbar. Würde nämlich bei den 150 Millisekunden vor der Tat das Spektrum aller voran gegangenen Hirnaktivitäten noch einmal fokussiert werden, stünde der Wille nun als deren Handlanger da, der seinen Fokus nur ausrichtet, damit er ungestört zuschlagen kann. Die Hirnaktion hätte auf den Auslöser gedrückt und der Wille wäre die Kugel, die dadurch ausgelöst wird. Ein wirklich brandgefährliches Geschoss.   

Eine andere Möglichkeit ergäbe sich daraus, den "Willenspunkt" ganz einfach als Reaktion auf die Hirnaktivitäten zu betrachten, - und damit würde sogar der Rückweg, eine Art Wille zur Kehrtwendung, ein Anflug von Rückbesinnung möglich. Doch nun gesellte sich zu Wille und Freiheit auch noch der Glaube hinzu. Der Möglichkeiten sind also viele da. Die Hirnforschung hat mit dem einzigen Experiment - aus dem sie alle ihre Hauptargumente ableitet - der Philosophie eine Büchse voller Übel geschenkt, die jeder Philosoph den Hirnforschern künftig übel nehmen darf. Die Büchse der Pandora könnten sich aber doch noch als echtes Geschenk entpuppen, denn: Wer einem etwas übel nimmt, nimmt einem nicht selten etwas von dem Übel.

Kann der Mensch selber entscheiden, wann genau er sein Feuerzeug entzünden möchte? Wann er in der Nase bohren will? Vielleicht setzen ja die nebensächlichsten Vorgänge und allerkleinsten Dinge ebenfalls Antrieb und Treibstoff von grossem Ausmass voraus? Vielleicht war deshalb der Weg der Frage von innen nach aussen falsch? Der Wille geht gar nicht von uns aus, ist nicht Aktion sondern Reaktion auf das Licht, das auf uns einwirkt und uns zwingt? Vielleicht brauchten wir uns nur an das weit entfernt zurückliegende Feuerwerk zu erinnern, über das wir, nachdem es schon längst erloschen ist, noch lange weiter Staunen werden?  

      

Der Wille - wie der Wunsch zum Befehl wird

Der Mensch suchte also nach einem freien Willen und was er dabei fand, waren Millisekunden. Was aber bedeutet eine Freiheit, die sich nicht nur der Zeit unterordnet, sondern sich - wie an einer Hundeleine - gleich an der Zeit selber misst?

Mit dem Verdikt eines freien Willen könnten wir etwa 150 Millisekunden vor einer Tat vor dem negativen Vorgang stehen, der uns aufzeigt, wie der Wunsch zum Befehl wird. Dies wäre nun - Willens-Un-Freiheit hin oder her - ein höchst ungeheuerlicher Prozess. Es würde nämlich erklären, warum Soldaten töten, die sonst brave Familienväter sind. Weshalb Frauen unterdrückt werden. Warum man Kinder schlägt, Tiere peinigt, das Fremde ablehnt und die "Umwelt" und Mitwelt mit Stumpf und Stil auszurotten sucht.

Eigentlich kämen hier auch noch die Mathematiker mit ins Spiel, denn zwischen all diesen Millisekunden handelt es sich bereits um eine böse Rechnerei. Doch man kann die Millisekunden zu Versuchszwecken auch einmal vergrössern und sie mit einem Blick durch das andere Ende des Fernrohrs betrachten. Tun wir das. Wir versuchen den Ablauf der 400 Millisekunden mit realen Ereignissen zu vergleichen. 

Stellen wir uns dazu vor, dass eine Volksseele plötzlich zu Kochen beginnt. Das wäre die einfache Gehirnaktivität, die selbst der Forscher Lebit semantisch noch nicht genauer umschrieben hat. Ein Impuls davon würde nun als erster die 250 Millisekunden zurücklegen und wäre somit zuerst dort angelangt, wo man diesen Impuls jetzt 'Willen' nennt. 

Das Erfolgserlebnis, als erster von allen Trieben dieses Ziel erreicht zu haben, nennen wir: "Triumph des Willens". Den Anführer selbst, - den ja alle als "Führer" kannten, - nennen wir Adolf Hitler. (Wem dieser Name nicht gefällt, darf ihn auch George W. Bush nennen. Beide hatten grosse Mühe auf Anhieb ins Amt zu gelangen und haben die Welt umzukrempeln versucht - doch existieren noch andere Ähnlichkeiten). Im sogenannten "Rosenkrieg" Hitlers kam es, fast noch gewaltlos, zum organischen Zusammenschluss der organisierten Triebwelt Deutschlands, Österreichs und weiten Teilen im Osten Europas mit einem bis zu diesem Zeitpunkt noch uneingeschränkt triumphierenden Willen. Die vereinigten Gehirnaktivitäten schlossen sich damit fast zwanglos mit der Führung zusammen. Weil es sich so abspielte, prüfen wir nun unter der Lupe das Vetorecht der Vernunft! Das Veto des Willens. 

Damit testen wir, welche Auswirkung der so genannte Filter des Willens in den letzten 150 Millisekunden auf die brachialen Kräfte der kollektiven Gehirnströme noch auszuüben vermochte? Wie immer man auch die Geschichte betrachtet, man muss heute leider sagen: Sie hatte gar keine Auswirkung! Und sie hatte nie eine. Weder die UNO noch die Vernunft der Strasse oder das Veto ranghoher Politiker und Staatschefs konnten kürzlich die Lüge eines neuen Krieges verhindern. Und auch damals setzte sich im letzten Akt der Katastrophe Hitlers Stellvertreter Hess gerade noch (1941) nach England ab, entweder um das totale Inferno vor Ablauf der letzten Millisekunden zu stoppen oder um seine eigene Haut zu retten. In der Zeit davor und danach sind dazu mehr als ein Dutzend Attentate auf Hitler geplant und durchgeführt worden, die alle ebenfalls nichts verhindern konnten.       

Was einem angesichts solcher Fakten in den Sinn kommt, ist, dass sich hier ein Ungetüm namens "Hitler" zum "Führer" und Vollstrecker einer aufflammenden Massenenergie machte, welche zuerst eine Unterschicht erreichte und dann Aufwärts loderte, sodass man nach einem geeigneten Kopf der Willkür suchen musste, der einem Flächenbrand bis zum bitteren Ende eine flammende Form zu geben bereit war. Im Triumph des Willens war der Wille als Handlanger der Willkür minutiös vorprogrammiert. Bei allem Respekt für Lebits Forscherdrang macht dies doch deutlich, dass man mit seinen Millisekunden gegen den weiteren Verlauf der Geschichte wirklich keinen Anspruch auf Freiheit erheben kann.  

Kein "Freier Wille" der sich dazwischen schaltete - von Graf Stauffenberg bis Hess - war imstande, das Geschehen aufzuhalten. Sie waren ja alle nur direkt Beteiligte, also Anteilseigner dieses Willens und seiner Willkür, und ihre Reaktionen kam schon deshalb zu spät. Selbst wenn zu diesem Zeitpunkt aber ein "Veto" noch gewirkt hätte und der freie Wille ebenfalls, so hätte dies den Opfern trotzdem nicht geholfen. Die Katastrophe konnte keine Änderung mehr erfahren.          

Die Frage, die man sich vor dem Hintergrund des "3. Reichs" ernsthaft stellen muss, ist aber die, wie es zu dem sinnlosen Wahn kommt, von einem freien Willen überhaupt noch zu sprechen? Und warum nicht davon, dass sich der Wille sogar zum aktiven Handlanger unserer negativsten Wünsche macht, - falls er losgelassen wird und sich somit frei dünken darf?! 

Philosophen, die für einen freien Willen plädieren - aus welchen Gründen auch immer - kommen um eine Antwort auf diese Frage nicht herum. Dies ist keine Marginalie. Denn tatsächlich - daran bestünde überhaupt kein Zweifel - liefen mit dem Besitz eines freien Willens in jedem Land, das bisher Angriffskriege geführt hat, gewaltbereite und gewalttätige Mörder in riesiger Anzahl frei herum, weil sie ihren Willen temporär ausschalten können. Der Griff zum Lichtschalter hätte bösartige Auswirkungen. Die unheimlichen Möglichkeiten, die sich allein schon aus dieser Tatsache ergeben, muss selbst der bescheidene Verstand um ein Vielfaches beängstigender finden, als die, über keinen eigenen freien Willen zu verfügen! 

Zusammenfassung

Möglicherweise trieben den Neurophysiologen Lebit ähnliche Sorgen um. Man kann Daniel Lebits Abenteuer im Reich der Millisekunden mit der Feststellung abschliessen, dass der Forscher selber sein Wagnis nicht zum Fundament eines unfreien Willen machen wollte. Nach Lebit verfügt der Mensch durchaus über einen freien Willen - oder halt über die 150 Millisekunden bis zur Entscheidungsschlacht. Gerade das, behaupten aber seine Kollegen, sei grundsätzlich falsch. Also ignoriert die Mehrheit seiner Zunft bis heute den zweiten Teil seiner Untersuchung, den sie als nebensächlich abtut, vernachlässigt, oder ganz auf seine Auswertung verzichtet. 

Wen wundert dies jetzt?

Die Naturwissenschaften sind selbst an Heraklit stillschweigend vorüber gegangen. Er wurde gar nicht zur Kenntnis genommen.

"Gesetz ist auch, dem Willen eines Einzelnen zu folgen." (Heraklit)

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 Teil 2

Die Philosophen mit ihrer Freiheit allein

Obschon uns das oben Erklärte keine rosige Willens-Aussicht bietet, sind es nun vor allem die Philosophen, die ihren Suggestionen vom freien Willen möglichst treu bleiben wollen. Sie hassen das Fremde, das mit der Unfreiheit verbunden ist - und sie fürchten jede ehrliche Konkurrenz. In einer Zeit wie die, die wir gerade erleben, verwundert das ungemein. Es ist geradezu unheimlich wie die Freunde der Weisheit ins Koma fallen, wenn sie sich über Krieg und Frieden auslassen, zu denen sie gleich lautende Kommentare abgeben. Als bestünde Weisheit darin, allem eine Legitimation zu verschaffen, um damit seinen schmalen Fokus in einem breiten menschlichen Spektrum aufzulösen. Frei nach dem Motto: "Nichts Menschliches ist mir fremd!" - zählt man auch das Unmenschliche dazu.

"Lieber neue Sorgen als alte Schweinereien", meint an vorderster Front der Anpasser und Oberphilou Hans Magnus Enzensberger zum Irakkrieg in einer tschechischen Zeitung. Und: "Er habe schon 1991 den Krieg gegen den Irak befürwortet". Es freut die kleinen Philosophen halt, wenn Denkmäler fallen, weil sie sich selber keines setzen konnten. Auch das ein Auswuchs der Demokratie: Jeder darf seinen eigenen Willen haben. Und der soll noch genau so viel Wert sein, wie jeder andere. "Wir sind so frei!" wäre als Refrain einer internationalen Globalhymne durchaus denkbar, die der wiedergeborene Neandertaler knurrt, wenn er andere Völker skrupellos überfällt, obschon sein freier Wille zwischen Gut und Böse genau unterscheiden kann. 

Hinter der weltweit angestrebten Demokratisierung versteckt sich also nicht einer, sondern ganze Klüngel von Diktatoren, deren Absichten zwar unschwer zu erkennen sind, die man aber nicht alle aufhängen kann, wie das bei einem einzelnen noch möglich ist. So viele Galgen gibt es gar nicht. Es sind dumme Machtmenschen, die den Einfluss von ihrem Geld spielen lassen, um sich trotzdem durchzusetzen. Oder Gewaltmenschen, die ihre Fäuste und Schlagzeilen zur puren Selbstdarstellung einsetzen. So gehen sie auch mit ihren Gegnern um. Enzensberger hält seinen Kopf schräg in die Kamera, den Finger am Mund, halt wie ein richtiger Denker, wenn er Heuschreckenschwärme mit den Monstern des Profitdenkens und anderen Bibelzitaten vergleicht, was aber immerhin seinem eigentlichen Auftrag entspricht. Doch über die Freiheit sollten sie schweigen, wenn sie sich nicht mehr an die Wirklichkeit erinnern können.

 

Die Freunde der Wut auf die Hirnforscher

Philosophen und Hirnforscher verhalten sich also inzwischen wie Dr. Jekyll und Mister Hyde zu einander. Der Philosoph hält sich selbst für die Schöne und den Hirnforscher für das Biest. Im Film gehören sie zusammen, und in der Realität finden sie sich ebenfalls. Leider weiss man nur nicht, wer bei 'Jekyll und Hyde' oder bei der 'Schönen und ihrem Biest' der Wille sein soll, und wer bereits frei ist davon? Nur eines ist klar: Dramaturgisch bedingen sie sich, sie gehören zu einander. - Nein. Einspruch! Sie gehören eben nicht wirklich zu einander. Sonst hätten sie nicht von einander getrennt werden müssen!

Die Philosophie und die Hirnforschung gehören nicht wirklich zu einander. Da mögen sich Moderatoren und Kommentatoren noch so verbiegen, um Philosophen und Neurobiologen zum gemeinsamen Gespräch einzuladen, denn es ist der Rede nicht wert, was dabei herauskommt. Tatsächlich handelt es sich bei all diesen Veranstaltungen und Artikeln um den "Siamesischen Zwillingseffekt", wo halt alle Welt gerne hinschaut, weil etwas getrennt werden soll, das sich - nach unserem Ermessen - falsch verbunden hat. Um aber mit der Trennung anderer Aufmerksamkeit zu erregen, greift man, man sagt es ungern, zu sündhaft billigen Mitteln. Es gibt eben keine Philosophen mehr. Sie haben uns von sich befreit und von allen irdischen Bindungen auch. Ihr transpersonales Stimmengewirr erreicht uns nur noch als demokratisches* Kauderwelsch, das selbst den Willen freisprechen möchte, falls er ihnen Recht gibt. Mit dem Falschen setzt sich dann auch die Kraft und die Macht (Kratos) jeder Demo schlechthin auseinander.     

Die Wertung "falsch" passt unserem Verstand aber auch ohne sie, da das Falsche der Einschätzung von Dingen, die wir nicht wirklich verstehen, von selber entgegenkommt. Einschätzen und Ermessen ist einfacher als Abwarten bis man verstehen kann. Und wenn sie dann sterben die Zwillinge, beide, oder nur einer davon, dünkt sich unser Wille frei, weil er nicht mit gestorben ist, obschon er sich mit dem Geschehen verbunden hat. Nur sind wir deshalb noch lange nicht frei. Denn wer frei ist: stirbt.   

 

Das Märchen der Freiheit erzählt der Wille

Die Behauptung, dass wir einen Freien Willen hätten, gestaltet sich daher selbst Philosophisch betrachtet sehr kompliziert. Die Freiheit eines Hundes kann man vielleicht an der Länge seiner Leine messen. Aber wie misst man die Freiheit von Zwillingen, von Komplementärem, von all dem, was tatsächlich verbunden ist oder sich irgendwie sinnvoll verbunden hat? Wie misst man Gefühle, etwa der Verbundenheit? Und vor allem: Wie misst man die Freiheit von der Abhängigkeit? Einfach indem man sie leugnet? Der Westen ist abhängig von Öl. Da können schon mal ein Dutzend Kriegslügen vorkommen. Es kann sich frei lügen, wer der Freiheit bedarf und Lügen als Notwendigkeit erachtet. Philosophische Lügen kosten dabei am Wenigsten. Und als Antworten verpackte Fragen bekommt man gratis.  

Als Einführung reicht manchmal bereits ein Zitat. Dieses hier stammt aus "Spiegel-online", das sich der Philosoph Peter Bieri zum freien Willen ausgedacht hat: 

"Es gehört zu unserem Selbstverständnis, dass wir uns in unserem Tun und Wollen als frei erfahren. Wir erleben uns als Urheber unseres Handelns; wir haben den Eindruck, einer offenen Zukunft entgegenzugehen; wir betrachten uns als Wesen, die kraft dieser Freiheit für ihr Tun verantwortlich sind."

Der gute Peter! Er macht gerade wieder eine Mondfahrt. Wer fragt da nach, wo Peterchen wohnt? Im "Spiegel" stand, er unterrichte an einer Deutschen Universität. Und ich alter Narr bin in meinem Leben bisher nur Menschen begegnet, die schon seinen ersten Sätzen, die er im "Spiegel" veröffentlichte, widersprechen würden. Ich habe nämlich noch nie einen Menschen getroffen, der eine seiner Behauptungen unterschreiben würde. Dabei kann ich über einen Mangel an ehrlichen Begegnungen nicht klagen, viele durfte ich sogar eingehend beraten. Vielleicht muss ich ihn einmal in seiner Universität besuchen? Um ihn zu fragen, was damit gemeint ist: dass "wir den Eindruck haben"? Oder wie er sich die offene Zukunft vorstellt, der wir entgegengehen? Oder aber, wie man sich ausgerechnet kraft seiner Freiheit verantwortlich fühlt? Oder halt, wer genau ihm das Urheberrecht auf seine Handlungen aushändigte? Wenn er diese paar Fragen, die er schon eingangs als Antworten verkleidete, tatsächlich beantworten kann, könnte man nämlich weiter reden. 

Wiederholen wir den ersten Satz seiner Abhandlung noch einmal: "Es gehört zu unserem Selbstverständnis, dass wir uns in unserem Tun und Wollen als frei erfahren".

Freies Wollen wäre Unabhängigkeit von innen. Freies Tun wäre Unabhängigkeit nach aussen. Es gibt sie beide - absolut - nicht. Über ein solches Selbstverständnis verfügen Menschen keineswegs. Wir sind keine Götter. Im Gegenteil: Unser ganzes Selbstverständnis basiert auf Abhängigkeiten schlechthin. Andernfalls gäbe es gar nichts zu verstehen. Wir hätten uns andauernd als Missverständnis zu korrigieren. Und Korrektur bedeutet Zwang. Man kann daher nicht frei Tun und man kann nicht frei Wollen.  

Unsere Abhängigkeiten vertiefen sich sogar mit den Jahren. Und wir wollen trotzdem immer neue, - manchem reicht schon der nächste Wetterbericht. Nur auf dem Mond gibt es vielleicht keine Abhängigkeit, jeder schwebt dort frei herum. Weil halt die Erdanziehungskraft fehlt. Und unter der leidet der (freie) Wille manchmal am meisten. Der Präsident der USA soll angeblich der mächtigste Mann der Welt sein. So einer kann doch einen Krieg führen, wenn er Öl braucht. Er muss. Aber warum muss er deshalb noch lügen? Und auch noch so lügen, dass alle Welt es bemerkt, bevor er es tut? Ist das Freiheit? Oder hat er sich mit seiner Macht einem fremden Willen unterworfen? Ein wunder Punkt ist ja auch, dass es viel schwieriger ist, jedem freien Willen zu genügen, als einem einzigen zu gehorchen. 

Wenn man sich die 13 Kriegslügen der US-Regierung in Erinnerung ruft, die schliesslich den Überfall auf den Irak erst möglich machten, kommen einem die Tränen - vor Lachen. Aber nicht weil der Krieg lachhaft wäre! Sondern weil sich der freie Wille - nämlich die so genannte freie Presse! - als willigster Handlanger einer dampfenden Hypophyse entpuppte. Da ist niemand eingespannt worden, sondern die haben das wirklich geglaubt! Die vierte Macht hat ein Jahr lang berichtet, als stünde die Schlacht von Armagedeon kurz bevor. Es war eine Mixtur aus Schulbubenfantasien, Verschwörungstheorien und sinnlosem Machogehabe.

Was dann im Irak anstelle von Biowaffen, Uran-Dealern, mutmasslicher Terrorverbindung, kurzfristig drohendem Raketeneinsatz und wahrem Freudentaumel über die "Befreiung" tatsächlich gefunden wurde, waren einige Luxuskarossen älteren Modells, wie sie richtige Diktatoren und demokratisch getarnte Diktatoren eben gerne sammeln. Und dafür haben sich die mächtigsten Medien der freien Welt zu Untertanen der Lüge erniedrigt! Der positive Nebeneffekt, dass man seitdem ohne Zeitungen auskommt, ja dass man sie sich sogar mit allen Mitteln vom Leib hält, um nicht die letzten Instinkte zu verlieren, ist aber auch nicht Freiheit sondern Zwang. Nur: Weiter lesen wäre noch Schlimmer, denn falsche Informationen beschleunigen bekanntlich den Sterbeprozess.  

Man muss sich also vorstellen, dass sogar frei gewählte Regierungschefs ganzer Länder wie Jaques Chirac, Gerhard Schröder oder Vladimir Putin mit ihrem Veto - des freien Willens - überhaupt nichts gegen den Krieg ausrichten konnten. Und dass selbst die, die ihn anrichteten, ihn jetzt nicht mehr aufhalten können. Doch nun kommen (immer noch!) die Philosophen und monieren vernehmlich laut: Wir wären frei! Man gewinnt den Eindruck, als sollten sie einmal einem Management-Training für Versicherungsvertreter beiwohnen, wo jedem klar gemacht wird, dass es nur die Angst ist, die uns alle versichert. Gedanken ohne Abhängigkeit erübrigen sich. Man muss Angst haben, um sich zu versichern. Und man muss frei sein, um einen Willen zu haben.

Aber nein! Einspruch. Man muss überhaupt nicht frei sein, um einen Willen zu haben, gerade die Unfreiheit zwingt uns ja zur Willkür. Und man muss auch nicht Angst haben, um sich zu versichern, die Überzeugung, dass es einfach Besser ist, genügt. In dieser Überzeugungskraft liegt aber schon wieder die Willkür, und die ist niemals frei. Selbst wer im Namen der Freiheit Demokratie exportiert, kehrt in Ketten zurück. Da sind die Neurobiologen schon weiter, wenn sie trotz besseren Wissens ihrer eigenen Kapazität sich an die selber erlebte Wahrheit halten.

Was Menetekeln also die Philosophen daher?! Offenbar haben sie schon eine eigene Siedlung auf dem Mond. Ihr Gerede ist weltfremd und ihre Einwände haben nichts mehr mit der Wirklichkeit zu tun. "Klassenkampf als Märchenstunde", das ist die Philosophie von heute, und es gehört zur Aufgabe der Philosophen, sie so zu beschreiben. Mehr nicht. Sonst reichen die 150 Millisekunden der Freiheit, die sich in den letzten Jahrzehnten massenhaft aufgetürmt haben, nicht einmal mehr aus, sich an die Wirklichkeit zu erinnern. Und die Philosophen führten weiter das Wort. Mal so und mal anders. Denn der Kartograf des Denkens, Peter Bieri, hat seinen ersten Abschnitt zur Freiheit, welcher hier zitiert wurde, dann doch noch mit einer ehrlichen Antwort abgeschlossen. Er stellt in diesem Satz fest:    

"Es müsste uns verstören, wenn sich herausstellte, dass diese Freiheitserfahrung nichts weiter ist als eine hartnäckige Illusion."

Das allerdings, könnte stimmen.

 

edgar valentin flückiger

 

* Als Heraklit von den Ephesier gebeten wurde, ihnen Gesetze zu geben, lehnte er ab, weil schon die schlechte Verfassung - die Demokratie - Macht über die Stadt bekommen hatte.

 

Teil 3 - Der Wille im Horoskop > (folgt)

 

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